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Kaprun - Symbol für den Wiederaufbau Österreichs


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Ein Blick über die gewaltige Staumauer während der Bauarbeiten 1954.
© APA-IMAGES/ORF Fernseharchiv/Kern
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Der Kapruner Stausee, gebannt durch Tonnen von Beton.
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Arbeiter werfen während der Bauarbeiten eine kurze Verschnaufpause ein.
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Die drei großen Staumauern des Kraftwerks Kaprun wurden aufgrund der Leistung der "Männer von Kaprun" und ihrer gigantischen Größe zum Symbol des modernen Österreich und des österreichischen Wiederaufbaues nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Geschichte des Kraftwerks reicht aber weiter zurück, in die Erste Republik und die Nazi-Herrschaft.

Erste Pläne zur Stromerzeugung aus Wasserkraft in den Hohen Tauern gab es bereits 1928. Nach dem Ersten Weltkrieg suchte die Energiewirtschaft neue, ergiebige Energiequellen. Nach der Weltwirtschaftskrise wurde das Projekt allerdings 1931 gestoppt und erst 1938 von den Nationalsozialisten wieder in Angriff genommen. Ab 1939 wurden polnische Zwangsarbeiter eingesetzt. 1944 waren das Krafthaus und die Wasserzuleitung fertig: Erstmals wurde Strom geliefert, wenn auch im bescheidenen Ausmaß.

Nach dem Zweiten Weltkrieg führte Österreich mit Mitteln aus dem Marshall-Plan die Bautätigkeit fort. Am 22. September 1951 wurde die 120 m hohe und 350 m lange Limbergsperre mit dem Krafthaus Oberstufe eingeweiht. Gleichzeitig begann der Bau der Mooserbodensperre, die 104 m hoch, 462 m lang und an der Basis 70 m dick ist. 1953 wurde schließlich der Bau der Drossensperre in Angriff genommen. Sie ist 112 m hoch und 357 m lang.

Die Mooser- und Drossensperre wurden am 12.August 1955 fertig gestellt und die Arbeiten am 27. Oktober desselben Jahres abgeschlossen. Zu einer offiziellen Einweihung kam es allerdings nicht. Als die Einweihung anstand, erkrankte Bundespräsident Theodor Körner (SPÖ) und so wurde der Staatsakt abgeblasen. Die Einweihung fand lediglich in Anwesenheit von Ingenieuren und Arbeitern statt. Der Salzburger Erzbischof Rohracher kam am 20.Oktober zu einer Altar- und Glockenfeier nach Kaprun.

Die Erbauer des Kraftwerkes von Kaprun wurden dennoch gewürdigt. Die Sänger des Wiener Schubertbundes gaben im Mai 1955 für die Arbeiter und Ingenieure von Kaprun ein Konzert. Das Vorstandsmitglied der Tauernkraftwerke, Alexander Kothbauer, erhielt im September 1955 das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik.

Während der Bauarbeiten des Kraftwerks Kaprun wurden unzählige Arbeiter verletzt, mehr als 100 Arbeiter verunglückten tödlich. Die Werksinvaliden und Hinterbliebenen von Arbeitern erhielten im Oktober 1955 nach Fertigstellung der Mooserbodensperre des Kapruner Werkes 50.000 Schilling vom Bund. Im Dezember 1955 starben weitere 15 Arbeiter bei einem Lawinenunglück. Auch diesmal erhielten die Hinterbliebenen Unterstützung. An den Trauerfeiern in Kaprun nahmen 2.000 Menschen teil, im Ministerrat und im Bundesrat wurde der Opfer gedacht.

Das Kapruner Kraftwerk bildete einen Anziehungspunkt für unzählige Menschen aus dem In- und Ausland. Im Jahr 1954 etwa wurden auf der Baustelle 80.000 Besucher gezählt. Im Herbst 1955 besuchte unmittelbar nach seiner Fertigstellung eine Delegation sowjetischer Energiefachleute das Werk. Bei dieser Gelegenheit erklärte der sowjetische stellvertretende Minister für Energiewirtschaft, das österreichische Volk habe sich mit dem Werk ein Denkmal gesetzt. Auch 50 Jahre später ist das Kraftwerk noch eine wichtige Touristen-Attraktion.

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