Dossiers aus  Innenpolitik  Aussenpolitik  Wirtschaft  Sport  Chronik&Kultur  Kurioses  Alle Dossiers Suche

Die Spanische Hofreitschule


 Druckversion  
Die Garde reitet zur ihrer Eröffnungsshow am 26. Oktober 1955 in die Maneg ...
© APA-IMAGES/ORF Fernseharchiv/Kern
Vollansicht
Ein Lipizzaner vollführt einen eleganten Sprung, gelenkt von seinem Reiter ...
© APA-IMAGES/ORF Fernseharchiv/Kern
Vollansicht
Konzentriert und graziös stellen die berühmten weißen Rösser ihr Können un ...
© APA-IMAGES/ORF Fernseharchiv/Kern
Vollansicht
Für die Choreographien ist eine Einheit zwischen Reiter und Pferd unabläss ...
© APA-IMAGES/ORF Fernseharchiv/Kern
Vollansicht
Die Lipizzaner stellen sich zum Salutieren in Reih' und Glied.
© APA-IMAGES/ORF Fernseharchiv/Kern
Vollansicht
Das Publikum auf den Tribünen zeigt sich begeistert.
© APA-IMAGES/ORF Fernseharchiv/Kern
Vollansicht

Die im Jahre 1572 in Wien gegründete Spanische Hofreitschule ist die älteste und letzte Reitschule der Welt, in der die klassische Reitkunst in reiner Form gepflegt wird. Der Auftritt der weißen Lipizzaner, der ältesten Kulturpferderasse Europas, ist auch unter dem Begriff "weißes Ballett" bekannt. Das Dorf Lipica im heutigen Slowenien, in dessen Nähe 1580 das einstige k. u. k. Hofgestüt gegründet wurde, gab den Lipizzanern ihren Namen. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges ging das Gestüt Lipica in italienischen und später in jugoslawischen Besitz über. Die meisten Lipizzaner kamen zuerst nach Laxenburg, später nach Piber in die Steiermark. Die Republik Österreich übernahm die Spanische Hofreitschule und machte ihre Darbietungen allgemein zugänglich. Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht im März 1938 wurde Major Alois Podhajsky, Bronzemedaillengewinner bei den Olympischen Spielen 1936 und erfahrener Dressurfachmann, neuer Leiter der Spanischen Hofreitschule. Als 1944 Bomben auf den Michaelerplatz fielen, wurden die Hengste nach St. Martin in Oberösterreich und 1946 schließlich nach Wels gebracht.

Mit einem Festakt und einer Vorstellung in der renovierten Winterreitschule in der Wiener Hofburg feierte die Spanische Hofreitschule am 26. Oktober 1955 ihre Rückkehr nach Wien. Zu der Veranstaltung fanden sich Bundespräsident Theodor Körner sowie Mitglieder der Bundesregierung und des Diplomatischen Corps ein. Direktor Podhajsky ritt bei diesem Anlass mit einer Gruppe von acht Reitern vor die Ehrentribüne und meldete dem Bundespräsidenten feierlich die Heimkehr der Wiener Spanischen Hofreitschule in die Stallburg. Er versicherte, dass die Reiter all ihre Kräfte, Können und Denken "restlos zur Erhaltung eines seltenen altösterreichischen Gutes einsetzen werden." Triumphe feierte die Reitschule unter Podhajskys Leitung im Jahr 1964 bei ihrem Gastspiel in den USA und Kanada. Bei dieser Tournee erwiesen sich die Lipizzaner als starke Devisenbringer.

1965 wurde Oberst Hans Handler Nachfolger Podhajskys. Unter Handlers Leitung fanden im September 1972 die Vierhundertjahresfeiern statt, ein Höhepunkt in seiner Tätigkeit als Leiter der Spanischen Hofreitschule. Bei diesem Anlass gab Bundeskanzler Bruno Kreisky einen Empfang und es wurde erstmals seit der Unterzeichnung des Staatsvertrages im großen Spiegelsaal des Schlosses Schönbrunn getanzt. Auslandstourneen unter Handlers Leitung führten u. a. nach England, in die Niederlande und die BRD. Am 2. Oktober 1974 stürzte Handler während der Vorführung tot von seinem Hengst Siglavy Beja.

Handlers Nachfolger wurde dessen langjähriger Stellvertreter, Kurt Albrecht. Albrecht erreichte eine soziale Besserstellung des reitenden Personals und war bestrebt, in Zeiten gestiegener Anforderungen des Fremdenverkehrs das seit Jahrhunderten geforderte Niveau zu erhalten. 1981 wurde eine authentische filmische Dokumentation über die "Klassische Hohe Schule edler Reitkunst" gedreht, die erfolgreich beim Fremdenverkehr eingesetzt wurde. Albrecht führte die Tradition der Gastspiele fort. 1975 gastierte die Hofreitschule in Spanien und 1980 anlässlich der 400-Jahresfeier des slowenischen Lipizzaner-Gestüts in Lipica. 1982 ging das "weiße Ballett" der Spanischen Hofreitschule vier Wochen in den USA auf Tournee. Bei diesem Anlass schenkte Bundeskammerpräsident Rudolf Sallinger dem amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan - "als Ausdruck der Dankbarkeit" Österreichs für die Aufbauhilfe nach dem Zweiten Weltkrieg - einen Lipizzaner. Überreicht wurde der Hengst im Garten des Weißen Hauses in Washington.

Zu Ehren des spanischen Königspaares Juan Carlos und Sophie im Jahr 1978 wurde eine Sonderaufführung veranstaltet, der auch Bundespräsident Rudolf Kirschschläger beiwohnte. Anlässlich des Gipfeltreffens zwischen dem US-Präsidenten Jimmy Carter und dem sowjetischen Staatschef Leonid Beschnew zur Unterzeichnung des SALT-II-Vertrages in Wien besuchten Carters Ehefrau Rosalynn Carter und Tochter eine Aufführung der Hofreitschule. 1985 trat Albrecht in den Ruhestand.

Bis Ende 2000 war Jaromir Oulehla Leiter der Spanischen Hofreitschule und gleichzeitig Direktor des Bundesgestüts Piber. Auch unter Oulehlas Leitung wurden von der Spanischen Hofreitschule viel beachtete Gastspiele durchgeführt. Die Anzahl der Veranstaltungen der Schule wurde streng auf die Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit der Pferde abgestimmt. Zusätzlich ist es ihm gelungen, durch jahrelange Arbeit ein großes Potenzial an Hengsten im Bundesgestüt Piber unter Erweiterung der Zuchtbasis und strikter Einhaltung der traditionellen Zuchtziele zu schaffen. 2001 wurde Werner Pohl zum Geschäftsführer der Gesellschaft öffentlichen Rechts "Spanische Hofreitschule - Bundesgestüt Piber" bestellt.

© APA - Austria Presse Agentur / Laimgrubengasse 10, 1060 Wien
29.05.1985: Krawalle bei Europacup-Finale in Brüssel » 30.05.1961: Otto von Habsburg unterzeichnet Verzichtserklärung » 31.05.1972: SPÖ und FPÖ einigen sich über die Einführung der Mehrwertsteuer »