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Nahostkonflikte Suezkrise 1956 / Sechstage-Krieg 1967 / Jom-Kippur-Krieg 1973


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Ein ägyptischer Soldat wird im November 1956 auf der Halbinsel Sinai mit e ...
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Anglo-französische Intervention im Suez-Kanal-Konflikt: Hissung der britis ...
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Gefangengenommene Ägypter werden von Stacheldraht eingezäunt, aufgenommen ...
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Die israelische Armee erobert die Altstadt von Jerusalem, aufgenommen am 7 ...
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Auf der Fahrt an die Front in den Golan werden israelische Soldaten von de ...
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SUEZKRISE 1956

Die Suezkrise im Jahr 1956 war eine in einen bewaffneten Konflikt mündende Krise zwischen Ägypten auf der einen und einer Allianz aus Großbritannien, Frankreich und Israel auf der anderen Seite.

Zur Finanzierung des Assuan-Staudamms nationalisierte der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser am 26. Juli 1956 den Suezkanal, an dem britische Banken und Unternehmen 44 Prozent der Anteile hielten. Zwar entschädigte er die Eigentümer, dennoch war Großbritannien sowohl ökonomisch als auch machtstrategisch beunruhigt. Im Laufe des Jahres 1956 verschärfte sich zudem der Konflikt zwischen Israel und Ägypten. Der jüdische Staat musste sich vermehrt Terrorattacken durch so genannte Fedajin von ägyptischem Territorium aus erwehren.

Bei mehreren Geheimtreffen planten Großbritannien, Frankreich und Israel in Sèvres nahe Paris im Oktober 1956 die "Operation Musketier". Israel sollte eine Invasion starten, sodass Großbritannien und Frankreich eingreifen konnten. Die Europäer würden dann die israelischen und ägyptischen Armeen zum Rückzug auf die jeweilige Seite des Kanals bewegen und eine britisch-französische Interventionsstreitkraft am Kanal um Port Said stationieren.

Am 29. Oktober 1956 begann Israel eine Invasion des Gazastreifens und der Sinai-Halbinsel und stieß schnell in Richtung des Kanals vor. Großbritannien und Frankreich forderten den Rückzug beider Seiten vom Kanal, ansonsten würden sie intervenieren, das Gebiet als Pufferzone zwischen den beiden Armeen wieder besetzen und einen Waffenstillstand erzwingen. Präsident Nasser wies die Forderung und ein anschließendes Ultimatum zurück. Durch seine Ablehnung lieferte er den europäischen Konfliktparteien einen Grund, die Kontrolle über den Kanal militärisch zurückzuerobern und das Regime Nassers zu stürzen. Am 31. Oktober begannen Großbritannien und Frankreich mit der Bombardierung ägyptischer Flughäfen. Am 3. November fiel Gaza in israelische Hände. Am 5. November landeten britische und französische Fallschirmjäger am Flughafen in Port Said und errichteten eine Basis zur Luftunterstützung. In den frühen Morgenstunden des 6. November landeten die Kommandos der Royal Marines an den Stränden Ägyptens. Beim Vorstoß trafen die Landekommandos auf harten Widerstand,. Kommando 45 griff per Helikopter an, die erste Operation dieser Art in der Kriegsgeschichte. Unter schweren Verlusten begann das Kommando 45 mit dem Häuserkampf. Hier fügten ägyptische Scharfschützen den Alliierten größere Verluste zu. Kurz vor Beginn des Waffenstillstandes fiel der Suez-Kanal in die Hände der Alliierten.

Am 7. November wurde die Aufstellung einer UNO-Friedenstruppe (UNEF) beschlossen. Die Briten beendeten am 23. Dezember ihren Abzug aus der Kanalzone. Am 8. März 1957 wurde die Räumung der Halbinsel Sinai durch Israel abgeschlossen.

Die europäischen Mächte erhielten in dem Konflikt keine Rückendeckung von Seiten der Vereinigten Staaten. Das Engagement am Kanal, obwohl militärisch erfolgreich, entwickelte sich so gerade für Großbritannien zu einer Demütigung. Auf ägyptischer Seite stärkte die Krise trotz militärischer Niederlage massiv die Position Nassers in der arabischen Welt und seinen Panarabismus.

SECHSTAGEKRIEG 5. bis 10. Juni 1967

Als sich syrische und israelische Kampfflugzeuge im April 1967 zahlreiche Luftgefechte lieferten, eskalierte die Situation im Nahen Osten erneut. Mitte Mai rückten ägyptische Truppen entgegen internationaler Vereinbarungen in den Sinai ein. Auch Syrien verlegte zeitgleich schwere Panzer an die syrisch-israelische Grenze. Der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser forderte am 17. Mai 1967 von der UNO, die Blauhelme an der Grenze zu Israel abzuziehen. UN-Generalsekretär U Thant folgte dem, ohne die Sache vor die Generalversammlung zu bringen. Nasser sperrte am 22. Mai den Suez-Kanal für den israelischen Schiffsverkehr, worauf Israel erklärte, es werde jedes Opfer auf sich nehmen, um die Straße von Tiran offen zu halten. Moskau und die arabischen Staaten versicherten Ägypten, es im Falle von Aggressionen zu unterstützen. Als auch der jordanische König Hussein nach dem Vorbild des ägyptisch- syrischen Paktes von 1966 und des ägyptisch-irakischen Paktes vom 30. Mai 1967 am 4. Juni mit Ägypten einen Verteidigungs-Pakt schloss, war Israel eingekreist und plante, als Erster zu handeln.

Am 5. Juni 1967 führte Israel einen Präventivschlag gegen Ägypten durch und marschierte im Sinai ein. Jordanische Artillerie begann (West-)Jerusalem und Tel Aviv zu beschießen, woraufhin Israel gegen Jordanien zur Offensive schritt. Bis zum 8. Juni eroberte Israel das gesamte Gebiet westlich des Jordans, darunter die Altstadt Jerusalems. Am Morgen des 9. Juni attackierten israelische Truppen die Syrer auf den Golanhöhen, die vorher von dort den Norden Israels bombardiert hatten. Die syrischen Golanhöhen wurden von den Israelis besetzt. Am 10. Juni, nach sechs Tagen erbitterter Kämpfe, wurden auch die Kampfhandlungen an der syrisch-israelischen Grenze eingestellt und der durch eine UNO-Resolution geforderten Feuereinstellung Folge geleistet.

Hunderttausende Palästinenser wurden in Folge des Krieges vertrieben oder leben seitdem unter israelischer Herrschaft. Bei den folgenden Verhandlungen wollte Israel das gewonnene Gelände - die ganze Sinaihalbinsel, den Gazastreifen, das Westjordanland, Ost-Jerusalem und die syrischen Golanhöhen behalten. Die arabischen Staaten und Moskau protestierten. Auf einer Gipfelkonferenz im August 1967 in der sudanesischen Hauptstadt Khartum beschlossen die arabischen Staatsoberhäupter, mit politischen und militärischen Aktionen Israel zu zwingen, sich aus den besetzten Gebieten zurückzuziehen. In der Resolution des Sicherheitsrats 242 vom 22. November 1967 wurde der Rückzug der israelischen Streitkräfte aus Gebieten, die im jüngsten Konflikt besetzt wurden sowie die Anerkennung der Souveränität, territorialen Integrität und politischen Unabhängigkeit eines jeden Staates in der Region gefordert. Ägypten und Israel führten noch drei Jahre lang einen Zermürbungskrieg am Suezkanal. Erst 1970 kam es zwischen beiden unter Vermittlung der USA zu einem Waffenstillstand.

JOM-KIPPUR-KRIEG 1973

Am 6. Oktober 1973, dem Tag des jüdischen "Jom-Kippur-Versöhnungsfestes", überquerten ägyptische Truppen erstmals seit dem Ende des Sechstagekrieges von 1967 den Suez-Kanal, während die Syrer die syrisch-israelische Waffenstillstandsgrenze überschritten. Israel schickte Panzerbataillone mit Reserve-Einheiten in den Süden, doch gelang es nicht, den ägyptischen Vormarsch zu stoppen. Im Laufe der Zeit wendete sich jedoch das Blatt. Israels Armee warf die Syrer auf den Golanhöhen zurück und drang in Syrien bis rund 30 Kilometer vor Damaskus ein. Am 15. Oktober verlagerte sich das Hauptgewicht der Kampfhandlungen auf die Sinai-Halbinsel. Nach schweren Panzerschlachten am Suez-Kanal gelang es den Israelis, einen Brückenkopf zu errichten und schließlich weite Gebiete auf dem Westufer zu besetzen.

Die USA und die UdSSR lieferten während der Kampfhandlungen über Luftbrücken und per Schiff Kriegsmaterial im großen Umfang an ihre Verbündeten. Moskau lieferte an Ägypten und Syrien, die USA an Israel Raketen, panzerbrechende Waffen und Artilleriemunition.

Die arabischen Staaten beschlossen am 17. Oktober, Erdöl gegenüber den USA und anderen westlichen Staaten als Waffe einzusetzen und die Produktion zu drosseln, bis Israel sich aus den besetzten Gebieten zurückziehe.

Am 22. Oktober verabschiedete schließlich der UNO-Sicherheitsrat die Resolution 338, in der alle Parteien aufgefordert wurden, sofort die militärische Aktivitäten zu beenden, unverzüglich mit der Verwirklichung der Resolution 242 zu beginnen sowie Verhandlungen mit dem Ziel aufzunehmen, einen gerechten und dauerhaften Frieden im Nahen Osten herzustellen. Noch am selben Tag wurde die Resolution von Ägypten, Israel und Jordanien anerkannt. Syrien stimmte der Entschließung am 24. Oktober zu. Doch erst am 25. Oktober, nachdem die Einkreisung der dritten ägyptischen Armee durch die israelische Armee abgeschlossen worden war, kam es zum Waffenstillstand. Am 29. Oktober ließen die Israelis den ersten ägyptischen Konvoi mit Medikamenten, Lebensmitteln und Wasser zur eingeschlossenen ägyptischen dritten Armee durch.

Bei Kriegsende stand es zwischen Ägypten und Israel nahezu unentschieden: Jede der Parteien hielt feindliches Gebiet besetzt. Dagegen wurde der Krieg an der syrischen Front zugunsten Israels entschieden. 1979 unterzeichneten Israel und Ägypten einen Friedensvertrag, 1982 zog sich schließlich Israel vom Sinai zurück.

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