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Der Ungarnaufstand


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Nach innenpolitischen Reformversuchen durch den ungarischen Ministerpräsid ...
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Die Sowjetunion unterstützte die ungarischen Reformgegner und schlug den A ...
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Journalisten und Zivilisten scharen sich um einen Santärwagen.
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Das Karosseriewrack eines Lieferwagens nach der Straßenschlacht.
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Chaotische Zustände in Budapest nach dem Zusammenstoß ungarischer Demonstr ...
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Am 4. November 1956 rollten sowjetische Panzer durch die ungarische Haupts ...
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Ungarische Flüchtlinge überqueren nach den Geschehnissen den Grenzen nach ...
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Wütende Ungarn verbrennen ihre Parteibücher der Kommunistischen Partei auf ...
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Ein zerstörter Sowjet-Panzer wird umringt von wütenden Budapestern an der ...
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Das Bundesheer steckte noch in den Kinderschuhen, als es das erste Mal ern ...
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Als in Ungarn 1956 reformorientierte Kommunisten unter Ministerpräsident Imre Nagy versuchten, innenpolitische Reformen durchzusetzen und sich gleichzeitig vom Warschauer Pakt abwendeten, griffen sowjetische Truppen in die ungarischen Angelegenheiten ein.

UNGARISCHER VOLKSAUFSTAND

Die Verurteilung der Herrschaftsmethoden Stalins auf dem XX. Parteitag der sowjetischen Kommunistischen Partei (KPdSU) im Februar 1956 durch den Parteichef Nikita Chruschtschow nährte im gesamten Ostblock Hoffnungen auf eine Liberalisierung. Im Juni 1956 etwa kam es in der polnischen Stadt Posen zu Arbeiterunruhen. Der Volksaufstand in Ungarn begann am 23. Oktober 1956 in Budapest mit einer Großdemonstration von Studenten, der sich zehntausende Arbeiter und Sympathisanten anschlossen. Am Abend befanden sich 300.000 Menschen vor dem Parlament und forderten Meinungs- und Pressefreiheit, freie Wahlen, mehr Unabhängigkeit von der Sowjetunion sowie die Einsetzung des reformorientierten Kommunisten Imre Nagy als Regierungschef. Es kam zu Sympathiekundgebungen für die polnischen Arbeiter. Im Laufe des Abends stürzten Demonstranten das Stalin-Denkmal und stürmten das Rundfunkgebäude. Nagy, der die Demonstranten aufforderte, nach Hause zu gehen, wurde überraschend noch in derselben Nacht vom Zentralkomitee der Partei der Ungarischen Werktätigen zum Ministerpräsidenten berufen.

Ab dem 24. Oktober weitete sich der Aufstand auf andere Städte aus. Es entstanden Arbeiter-, Revolutions- und Nationalräte. Ein landesweiter Generalstreik setzte ein. Die ungarische Regierung sprach von einem Angriff "faschistischer reaktionärer Elemente" auf öffentliche Gebäude und verbot alle öffentlichen Versammlungen. Unterdessen hatten die in Ungarn stationierten sowjetischen Truppen begonnen, militärisch einzugreifen. Am 25. Oktober fuhren vor dem Parlamentsgebäude sowjetische Panzer auf, Mitglieder des gefürchteten Staatssicherheitsdienstes AVH feuerten in eine tausende Menschen zählende friedliche Menschenmenge, wobei mehr als 100 Menschen starben. Budapest wurde durch einen Ring sowjetischer Panzer vom Rest des Landes isoliert.

ZWISCHENREGIERUNG

Am 27. Oktober gab Imre Nagy seine neue Regierung und die Auflösung des AVH bekannt, am darauf folgenden Tag sprach er vom Sieg der Revolution. Es folgte die Ankündigung des Endes der Einparteienherrschaft und der Bildung einer Mehrparteienregierung. Am 31. Oktober erklärte Nagy die Neutralität Ungarns und den Austritt des Landes aus dem Warschauer Pakt. Die Truppen zogen aus Budapest ab, doch neue Truppen näherten sich wieder der ungarischen Hauptstadt.

NIEDERSCHLAGUNG DES AUFSTANDES

Ab 4. November begannen die sowjetischen Truppen mit der blutigen Niederschlagung des Volksaufstandes. Nagy wurde noch am selben Tag abgesetzt und fand in der jugoslawischen Botschaft Zuflucht. Er wurde von Janos Kadar ersetzt, der die Sowjets bat, die "Konterrevolution" niederzuschlagen. Es tobten heftige Kämpfe im Land, speziell in der Hauptstadt Budapest. Die Zivilbevölkerung griff für die Regierung zu den Waffen, litt jedoch an Munitionsmangel und war den sowjetischen Panzern und Flugzeugen und auch an sonstigem Material hoffnungslos unterlegen, so dass die Niederlage vorprogrammiert war. Um den 11. November 1956 war der Aufstand weitestgehend niedergeschlagen worden.

FLÜCHTLINGE

Rund hunderttausend Ungarn flüchteten im November über die ungarisch-burgenländische Grenze nach Österreich. Viele der Flüchtlinge befanden sich in einer schlechten Verfassung. Österreich leistete Hilfe, sah sich aber bald aufgrund erschöpfter Unterkunftsmöglichkeiten und finanzieller Engpässe vom großen Flüchtlingsstrom überfordert. Der damalige Staatsekretär für Außenpolitik, Bruno Kreisky, richtete am 22. November einen Appell an andere Staaten, ungarische Flüchtlinge aufzunehmen. Rund ein Viertel der Flüchtlinge wurde ins westeuropäische Ausland weitergeleitet. Österreich wurde von der Sowjetunion beschuldigt, es habe für die antisowjetischen Kräfte in Ungarn Partei genommen und somit nicht neutral gehandelt.

NACH DEM AUFSTAND

Unmittelbar nach dem Aufstand, am 14. November, erklärte Kadar, dass niemand wegen Teilnahme an der Volksbewegung bestraft werden würde. Nach dieser Erklärung wurden jedoch Säuberungswellen eingeleitet. Ungarische Aufständische wurden verhaftet und in die Sowjetunion deportiert, was Moskau dementierte. Das ungarische Volk leistete zunächst Widerstand und reagierte mit Generalstreik. Nagy, der nach Zusicherung von Straffreiheit am 23. November die jugoslawische Botschaft verlassen hatte, verschwand am darauf folgenden Tag. Er und drei seiner Mitarbeiter wurden schließlich am 17. Juni 1958 hingerichtet. Der ungarische Aufstand forderte 64.000 Tote.

Ungarn blieb Mitglied des Warschauer Paktes, die sowjetische Hegemonie bestand weiter. Das Nichteingreifen der Westmächte war Ausdruck der wechselseitigen Anerkennung von Einflusssphären. Auf die starke Repression gegen die am Aufstand Beteiligten folgten unter Kadar mit der allmählichen Konsolidierung der Zentralgewalt eine vorsichtige, schrittweise politische Liberalisierung und Wirtschaftsreformen.

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