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Olympische Winterspiele 1972 - Sapporo und der Ausschluss von Karl Schranz

"Nur" zwei Mal Silber für Annemarie Pröll, aber Gold für Pflichtkönigin Trixi Schuba


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Der österreichische Skifahrer Karl Schranz nach Beendigung des Herren-Abfa ...
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'Österreich grüßt seinen größten Skiläufer aller Zeiten' und bereitete dem ...
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Eine Frau verteilt Bilder und Autogrammkarten des Skistars.
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Karl Schranz inmitten seiner Fans.
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Schranz' Ankunft am Ballhausplatz, wo er wie ein Sieger empfangen wurde.
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Bundeskanzler Bruno Kreisky begrüßt Karl Schranz.
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Bundeskanzler Bruno Kreisky und Karl Schranz, umringt von Vertretern aus P ...
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Die versammelten Fans am Ballhausplatz konnten es kaum erwarten, ihren Ski ...
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RAHMENBEDINGUNGEN

Die Olympischen Winterspiele 1972 in Sapporo hätten für den 33- jährigen Karl Schranz nach dem Scheitern in Squaw Valley, Innsbruck und Grenoble endlich die ersehnte Goldmedaille (in der Abfahrt) bringen sollen. Doch ein greiser, sturer US-Amerikaner, der damalige IOC-Präsident Avery Brundage, war dagegen. Er wollte bei den von ihm wenig geliebten Winterspielen und vor allem beim alpinen Skisport ein Exempel zu Gunsten der "Amateur-Reinheit" und gegen die Kommerzialisierung der Olympischen Spiele statuieren und betrieb wenige Tage vor der Eröffnungsfeier im IOC vehement und erfolgreich den Ausschluss des prominenten Österreichers, der mit seinen Kollegen und Rivalen an Ort und Stelle schon das Training aufgenommen hatte.

AUSSCHLUSS KARL SCHRANZ

Der Tiroler wurde am 31. Jänner vom IOC mit 28:14 Stimmen suspendiert, ein bis dAHDn einmaliges Ereignis in der Olympischen Geschichte. Damit blieb der dreifache Weltmeister, zweifache Weltcup-Gesamtsieger und Bester zahlreicher Rennen auf seiner einzigen olympischen Medaille (Silber 1964 im Riesentorlauf) sitzen. Die Disqualifikation des Österreichers wurde mit "der Tätigkeit und des Einflusses, den Karl Schranz auf den alpinen Skisport nahm sowie der Art und Weise, mit der er seinen Namen und seine Fotografie zu Reklamezwecken verwendete", begründet.

Mit Schranz pickte sich Brundage die damalige "Ikone des Skisports" heraus, denn Gleiches und Ähnliches traf auf viele seiner unbelästigt gebliebenen Kollegen zu. Dementsprechend war auch das nationale und internationale Echo, in dem von Heuchelei, Ungerechtigkeit, längst nicht mehr zeitgemäßen Einstellungen usw. die Rede war.

RÜCKTRITT SCHRANZ UND ANKUNFT IN ÖSTERREICH

Der Protest der österreichischen Delegation gegen den Ausschluss blieb wie erwartet erfolglos, Schranz musste das Olympische Dorf verlassen und kehrte als "Märtyrer" nach Österreich zurück, wo ihm am 8. Februar in Wien ein überwältigender Empfang durch seine über den Ausschluss maßlos empörten Landsleute mit bis zu 200.000 Menschen bereitet wurde.

SKI ALPIN

Der Fall Schranz drückte verständlicherweise die Stimmung im österreichischen Olympiateam, wo sogar - zumindest für die Alpinen - die Zurückziehung der Mannschaft im Gespräch war. Dazu kam, dass Österreichs zweifache Goldhoffnung, Annemarie Moser (Pröll), sowohl in der Abfahrt als auch im Riesentorlauf (Super G gab es damals ja noch keinen) der Schweizerin Marie-Theres Nadig, die auf dem für Europäer ungewohnten japanischen Schnee auch über enorm schnelle Ski verfügte, unterlag. Die Salzburgerin, immerhin Kombinations-Weltmeisterin (damals zählten die Rennen auch als WM), war über zwei Mal Silber bitter enttäuscht und holte sich erst acht Jahre später in Lake Placid als beste Skirennläuferin aller Zeiten in der Abfahrt olympisches Gold.

EISKUNSTLAUF UND ANDERE

Für die einzige österreichische Goldmedaille in Sapporo sorgte "Pflichtkönigin" Trixi Schuba im Eiskunstlauf, jeweils Bronze gewannen Heini Messner (Abfahrt) und Wiltrud Drexel (Riesentorlauf). Die Ausbeute von fünf Medaillen zählte zu den Bescheideneren in Österreichs Geschichte von Winterspielen.

© APA - Austria Presse Agentur / Laimgrubengasse 10, 1060 Wien
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